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Saddam Hussein und die Giftgaslüge


Um die Bosheit Saddam Husseins zu beweisen und den Krieg gegen den Irak zu rechtfertigen, wurde immer wieder angeführt, der Diktator hätte 1988 tausende irakische Kurden durch Giftgas ermordet. Nun wurde er erhängt, ohne einen ausreichenden Prozess gegen ihn geführt zu haben. Wohl kaum ein politisches Todesurteil ist jemals in solcher Hast vollstreckt worden. Doch wie lautete sein Schuldspruch:  Er soll im Jahre 1982 an die 149 schiitische Männer als
Vergeltungsmaßnahme für ein Attentat durch ein Gericht zum Tode verurteilen haben lassen. Von einem Kriegsverbrechen durch einen Giftgasangriff auf die Zivilbevölkerung war plötzlich keine Rede mehr - und das nicht zufällig. Stephen C. Pelletiere, Professor an der der Kriegshochschule der US-Armee verdanken wir einen Artikel in der New York Times, in dem er Saddams angeblichen Giftgasangriff als Propaganda aufdeckt.
650.000 Opfer hat der US-Angriffskrieg bisher unter irakischen Zivilisten gefordert. Die Millionenzahl der durch Uranmunition verstrahlten Opfer durfte bisher gar nicht erhoben werden. Angesichts dessen erscheint die Entrüstung der westlichen Politiker über die 149 Opfer Saddam Husseins, wegen denen er offiziell erhängt wurde, als eine Farce.




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Stephen C. Pelletiere, The New York Times - 31. Januar 2003

Kurden wurden in Halabja mit einem auf Cyanid basierenden Gas getötet. Ein Gas, das bekanntlich vom Iran eingesetzt wurde. Da Bush II. einen Vorwand für seinen Krieg gegen den Irak benötigte, machte er Saddam Hussein für das Massaker in Halabja verantwortlich. [...]

Die Anschuldigung, daß der Irak chemische Waffen gegen seine eigene Bürger eingesetzt hätte ist weithin bekannt. Ein in letzter Zeit immer wieder vorgebrachter Beweis dreht sich um die Vergasung von irakischen Kurden in der Stadt Halabja im März 1988, kurz vor Ende des achtjährigen Irak-Iran-Kriegs. Präsident Bush selbst sagte wörtlich: "Der Irak vergast seine eigenen Menschen". Er meinte damit den Gaseinsatz in Halabja und leitete damit eine Begründung für den von ihm angestrebten Sturz von Saddam Hussein her.

Das einzige, das feststeht, ist: Kurden wurden an diesem Tag mit Giftgas in Halabja bombardiert. Wir können aber nicht mit Sicherheit sagen, daß es irakische Chemiewaffen waren, die dort zum Einsatz kamen. Diese Behauptung ist nicht die einzige Verfälschung im Zusammenhang mit der Halabja-Geschichte. Als hochrangiger politischer Analyst der CIA, zuständig für den Irak während des Irak-Iran-Kriegs und in meiner Eigenschaft als Professor der Kriegshochschule der Armee von 1988 bis 2003, weiß ich um die Dinge sehr genau bescheid. Ich hatte Zugang zu den meisten geheimen Dokumenten, die in Washington im Zusammenhang mit dem Persischen Golf gesammelt wurden. Darüber hinaus wurde mir die Aufgabe zuteil, 1991 eine von der Armee eingeleitete Untersuchung durchzuführen, wie die Iraker einen Krieg gegen die USA führen würden. Die geheime Version dieses Berichtes befaßte sich ausgiebig mit der Halabja-Affäre.

Über die Vergasungen von Halabja wissen wir soviel, daß es zum Einsatz von Giftgas zwischen Irakern und Iranern in der Schlacht um die Stadt kam. Der Irak setzte Giftgas ein, um Iraner zu töten, die die Stadt besetzt hielten. Halabja liegt in Nordirak, unweit der iranischen Grenze. Die kurdischen Zivilisten, die dort starben, hatten das Pech, zwischen die Fronten geraten zu sein ...

Die Geschichte wird aber noch undurchsichtiger. Sofort nach der Schlacht untersuchte der Geheimdienst des US-Verteidigungsministeriums die Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Giftgaseinsatz und erstellte einen Geheimbericht. Dieser Bericht ging durch die Abteilungen der Geheimdienste, klassifiziert als "das muß man wissen". Der Untersuchungsbericht stellte fest, daß es iranisches Gas war, das die Kurden tötete, nicht irakisches.

Der Geheimdienst ermittelte, daß beide Seiten Gas in der Schlacht um Halabja einsetzten. Der Zustand der toten Kurden deutete allerdings daraufhin, daß sie einem Blutgas zu Opfer fielen, also ein auf Cyanid gestütztes Gas. Es war seinerzeit bekannt, daß der Iran diese Art von Giftgas einsetzte. Die Iraker, denen man den Giftgaseinsatz zuschreibt, setzten Senfgas in der Schlacht um Halabja ein. Es war nicht bekannt, daß der Irak ein auf Cyanid beruhendes Blutgas besaß.

Diese Tatsachen sind seit langer Zeit bekannt. Aber seltsamerweise, wann immer die Halabja-Affäre ins Gespräch kommt, bezieht sich niemand darauf. Ein aufsehenerregender Artikel im NEW YORKER im vergangenen März unterschlug jeden Hinweis auf den Geheimdienstbericht, wonach es iranisches Gas gewesen sein konnte, das die Kurden getötet hatte. Und wenn sich jemand auf diesen Geheimdienstbericht bezieht, dann werden die Ermittlungstatsachen als Spekulation abgetan, mit dem Hinweis, daß Amerika im Irak-Iran-Krieg auf Seiten des Irak stand.

Ich versuche nicht, den Charakter von Saddam Hussein zu rehabilitieren. Es gibt vieles in Sachen Menschenrechte, was er noch zu beantworten hätte. Aber ihn zu beschuldigen, er hätte das Ziel gehabt, Völkermord an seinen eigenen Bürgern in Halabja zu begehen, ist nicht richtig. Alle unsere Informationen belegen, daß Giftgas immer nur bei kriegsbedingten Schlachten zum Einsatz kam. Es handelte sich um kriegsbedingte Tragödien. Es mag vielleicht Rechtfertigungen für die Invasion des Irak geben, aber Halabja taugt dazu nicht. [...]



Quelle des Originaltextes: http://www.commondreams.org/views03/0131-08.htm
Quelle der deutschen Übersetzung: http://www.biologie.de/biowiki/Diskussion:Halabdscha
Quelle des Geheimdienstberichtes: US Army War College:  Iraqi Power and US Security in the Middle East. Februar 1990.

 

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