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Hintergründe zur Ölkrise


[...] Das geheime Treffen der Bilderberggruppe war [1973] nicht etwa zu dem Zweck nach Saltsjöbaden einberufen worden, um eine derartige Verteuerung der Weltenergieversorgung zu verhindern. Im Gegenteil, es bereitete den Ölpreisschock vor und erarbeitete Pläne, wie die erwartete Öldollar-“Flut“ am zweckmäßigsten gehandhabt werden sollte. Henry Kissinger sprach in diesem Zusammenhang vom „Petrodollar-Recycling“.



Ein globales Ölembargo sollte die Ölversorgung weltweit drastisch verknappen. Das würde die Weltölpreise dramatisch steigen lassen. Da die amerikanischen Ölgesellschaften den Welthandel seit 1945 fest im Griff hatten, war es üblich geworden, die internationalen Ölrechnungen in Dollar zu fakturieren. Mit dem Ölpreis musste also auch die Nachfrage nach US-Dollar ansteigen. Die steigende Nachfrage nach Dollar würde den Druck vom Dollar nehmen und seinen Wert stützen. Sie würde natürlich auch die Position derer stärken, die Dollar drucken und liefern konnten.

Den ölproduzierenden Ländern Arabiens schob man den Schwarzen Peter und die Schuld an der ausgelösten Misere zu. Die Volkswut sollte sich gegen die bösen „Ölscheichs“ richten. [...] Die eigentlichen Drahtzieher blieben verborgen und gebärdeten sich nach außen auch noch als die hintergangenen Geschädigten. (Fußnote: Golan, Matti: The secret Conversations of Henry Kissinger: Step by Step Diplomacy in the Middle East. Bantam Books, New York 1976.)

BP, Shell und andere angloamerikanische Ölkonzerne hatten Hunderte von Millionen Dollar in die Entwicklung der Nordseeölfelder investiert, die ohne Kissingers Ölschock wohl kaum jemals Gewinn abgeworfen hätten. Ob das wohl reinen Zufall war?

[Der US-Finanzminister] Benett hatte mit der Agentur SAMA, welche die saudiarabischen Öleinnahmen verwaltete, ein geheimes Abkommen getroffen. Die Natur dieses Abkommens enthüllt ein Memorandum Benetts an Staatssekretär Henry Kissinger vom Februar 1975. Danach sah das Abkommen vor, dass die riesigen zusätzlichen Gewinne, die den Saudis als Folge des höheren Ölpreises in den Schoß fielen, zu einem beträchtlichen Teil die Defizite der US-Regierung decken sollten. Um das zu gewährleisten, erhielt ein junger Bankier der Firma White, Weld & Co., einer Investment-Bank mit Sitz in London und an der Wallstreet, David Mulford, den Posten des Investment-Beraters bei der SAMA in Riad. Mulford sollte dafür sorgen, dass die Petrodollars ordnungsgemäß bei den richtigen Banken in London und an der Wallstreet eingezahlt wurden. [Fußnote: Das Memorandum ist abgedruckt in: International Currency Review, Vol. 20, London, 6. Januar 1991, S. 45.].

Am 1. Januar 1974 traf sich die OPEC in Teheran erneut. Sie vereinbarte, den Ölpreis auf 11,65 Dollar pro Fass anzuheben. Das erstaunliche daran war, dass der Schah des Iran diese Forderung auf dem Treffen vortrug. Nur wenige Monate vorher hatte sich der Schah noch gewehrt, den Ölpreis auf 3,01 Dollar das Fass anzuheben. Er hatte befürchtet, die Ölverteuerung könnte die westeuropäischen Exporteure veranlassen, die Preise ihrer Industriegüter anzuheben. Diese Güter wurden aber zur Industrialisierung Persiens und anderer Entwicklungsländer dringend benötigt. [...] Aber die provokativ einseitige Unterstützung der USA und ihrer Verbündeten für Israel hatte den Zorn der arabischen OPEC-Vertreter angeheizt. Dem konnte sich der Schah wohl nicht entziehen.

[...] Die Masse de OPEC-Dollareinkommens, die Kissinger „recycled Petrodollars“ nannte, floss auf die New Yorker und Londoner Großbanken, die mit Eurodollar handelten und den Ölhandel finanzierten.

Mit kurzfristigen, sehr teuren Krediten mussten sie [die Entwicklungsländer] ihre Zahlungsschwierigkeiten überbrücken. Die einzigen Geldgeber, bei denen sie leihen konnten, waren die anglo-amerikanischen „Eurodollar-Banken“. Sie brachten auf diese Weise ihre riesigen Petrodollar-Bestände gewinnbringend in Umlauf.

Die Strategie des „Petrodollar-Recycling“ der Bilderberg Gruppe war genau abgesteckt. Beteiligte amerikanische und europäische Banken gaben Entwicklungsländern ausschließlich zu dem Zweck Kredit, dass diese damit ihre „Zahlungsbilanz“ ausglichen. [...] So kommt es, dass die meisten „Kredite“ dieser multinationalen Großbanken gar nicht erst in die entsprechenden Nehmerländer transferiert werden mussten. Es verschoben sich lediglich die Zahlen auf den Konten der Öllieferanten und Ölkonzerne gegenüber den Konten Öllieferanten und Ölkonzerne gegenüber den Konten der Entwicklungsländer. [...]


Zu den Aufgaben David Mulfords als Direktor der SAMA gehörte es, darüber zu wachen, dass die Saudis einen „weisen“ Gebrauch von ihrem ungeheuer gewachsenen Geldreichtum machten. Sie wurde durch die Tatsache erleichtert, dass damals nur die New Yorker Citibank als rein ausländische Bank in Saudi Arabien tätig sein durfte. Citibank ist die Hausbank großer amerikanischer Ölkonzerne, besonders von Esso und ARAMCO. Es überrascht also nicht, dass allein 1974 70 Prozent der Einnahmen der OPEC-Staaten in ausländischen Wertpapieren angelegt sind. Von dieser stattlichen Summe von 57 Milliarden Dollar entfielen gut 60 Prozent auf amerikanische und britische Finanzinstitutionen (Quelle: Jahresbericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, Basel 1976).

Am 8. Juni 1974 unterzeichnete Henry Kissinger in seiner Funktion als US-Außenminister einen Vertrag über die Einrichtung einer amerikanisch-saudischen Kommission für wirtschaftliche Zusammenarbeit (Joint Commission on Economic Cooperation), wovon wenig öffentlich Notiz genommen wurde. Dieser Vertrag regelte die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen den USA und Saudiarabien besonders „auf dem Gebiet der Finanzen.“

Über Wesen und Inhalt ihrer neu vereinbarten besonderen Zusammenarbeit bewahrten die Amerikaner und Saudis striktes Stillschweigen.


Es gab eine Merkwürdigkeit [...]: Die OPEC-Staaten versteiften sich trotz ihrer angeblichen Feindschaft zu den USA – ein Ölembargo ist nun wirklich kein freundschaftlicher Akt – darauf, in Zukunft ausschließlich US-Dollars als Zahlungsmittel anzunehmen. Sie wollten keine anderen Währungen akzeptieren, und wäre sie noch so „hart“ [...].

Die unglaublich Inszenierung wird noch durchsichtiger, wenn man bedenkt, dass 1975 eigens zu dem Zweck ein OPEC-Treffen einberufen wurde, die OPEC-Länder darauf festzulegen, dass sie nur noch Dollar als Zahlungsmittel zu akzeptieren hätten. Nicht einmal britische Pfund durften angenommen werden. Noch erstaunlicher [...] ist die Tatsache, dass diese Regelung von der OPEC auch dann noch aufrecht erhalten wurde, als in den folgenden Jahren die Kursschwankungen des US-Dollar der OPEC gewaltige Verluste einbrachten. Natürlich stabilisierte die Regelung den stark überbewerteten US-Dollar. Die ganze Welt war gezwungen, in riesigen Mengen US-Dollar zu ankaufen, um damit die Energieversorgung sicher zu stellen.

Die OPEC-Regelungen bevorzugten einen eng begrenzten Kreis von Banken [...].


Auf diese Weise war es den USA also gelungen, den Dollar statt auf Gold nun auf die Ölnachfrage zu gründen. Hätten Washington oder London den Ölschock wirklich – wie sie immer behaupten - als tödliche Bedrohung erlebt, hätten sie genug Druckmittel in der Hand gehabt, um einen vernünftigen Ölpreis zu erzwingen. Die Anglo-Amerikaner brauchten aber den hohen Ölpreis und zwangen die „Scheichs“, dafür öffentlich die Prügel zu beziehen.

Die gleichen Leute, die den Ölpreis um 400 Prozent angehoben hatten, boten den bedrängten Opfern ihre Petrodollar als Finanzierungshilfe an. Dass sie dafür überzogen hohe Zinsen forderten, versteht sich aus der [...] Lage.


Quelle: William Engdahl: Mit der Ölwaffe zur Weltmacht. Der Weg zur neuen Weltordnung. Wiesbaden 1992. S. 205 ff.
92. S. 205 ff.

Quelle: William Engdahl: Mit der Ölwaffe zur Weltmacht. Der Weg zur neuen Weltordnung. Wiesbaden 1992. S. 205 ff.

 

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