Das Wunder der Permakultur


Es ist wie eine Verhöhnung aller gängigen Lehrbücher: Bei Josef Holzer, in der Bergbauernzone in Lungau, dem Sibirien Österreichs, in einer Höhe zwischen 1100 und 1500 Metern, tragen 14.000 Obstbäume die schönsten und üppigsten Früchte. Und nicht nur das. Entgegen allen konventionellen Regeln und Bergbauern-Traditionen und trotz der Grenzlage des Hofs mit einer durchschnittlichen Jahrestemperatur von 4,5 Grad hat der Bauer dort eine exotisch anmutende Terrassenlandschaft angelegt; dort, wo normalerweise nur Fichten und Legföhren wachsen, gedeihen nun auf 46 Ha Grund die verschiedensten Getreide-, Obst- und Gemüsesorten, die man in dieser Lage niemals vermuten würde: Zitronen, Kirschen, Marillen, Äpfeln, Kiwis, Feigen, Pfirsichen, Orangen Maroni, Birnen - Aufzählung garantiert unvollständig! Ohne Treibhaus. Daneben Kräuter, Pilze oder Enzian, dessen Wurzeln für die Schnapsherstellung verwendet werden. Und dazwischen rund 45 Fischteiche, Wassergärten und Feuchtbiotope, in denen sich Fische, Krebse, Kröten und zahllose Insekten tummeln.



Wildgetreide-Anbau unter den Nadelbäumen, Radieschenernte im Dezember, meterhohe Orchideen im Schnee. Alles wächst auf Holzers Lungauer Bergbauernhof! Sein Credo: "Ich lass die Natur für mich arbeiten. Man muss nur draufkommen, welche Pflanzen und Tiere sich ergänzen, das ganze System muss einen geschlossenen Kreislauf ergeben." Eine "Permakultur" nennen das die Experten, ein harmonisches Zusammenwirken zwischen Tieren, Pflanzen und Bauer.

Der Begriff Permakultur leitet sich vom englischen "permanent agriculture" ab und wurde 1974 von den australischen Ökologen und Landschaftsplanern Bill Mollison und David Holmgren geprägt. 1981 wurde Mollison für sein Permakultur-Konzept der alternative Nobelpreis verliehen. Bill Mollison und David Holmgren definieren Permakultur als ein integriertes, sich selbst entwickelndes System aus mehrjährigen und sich selbst vermehrenden einjährigen Pflanzen und Tierarten, die für den Menschen nützlich sind. Grundgedanke ist das Wirtschaften in und mit ökologischen Kreisläufen im Sinne einer dauerhaften und nachhaltigen Nutzung.

Permakultur beginnt mit der Planung eines ökologischen Systems. Dabei wird versucht, die einzelnen Elemente so in Beziehung zu setzen, dass sie sich untereinander unterstützen, zum Beispiel indem Pflanzengemeinschaften gebildet werden, die Schädlinge abwehren. Eine Vielfalt von Pflanzen in einer Mischkultur schützt darüber hinaus vor Frost, Wind, Sonne und Krankheiten.

Die Bedingungen sind so zu schaffen, dass sich das System selbst erhalten kann, produktiv und auch stabil ist. Elemente, die unproduktiv oder selbstzerstörerisch sind, werden entfernt. Jedoch greift ein Permakultur-Gärtner nur soviel, wie wirklich nötig ist, ein. Es werden Pflanzen bevorzugt, die bei Feuchtigkeit leben können und solche, die Trockenheit vertragen. Dadurch ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch bei extremer Wetterlage geerntet werden kann. Aßerdem werden sich selbst aussäende und mehrjährige Pflanzen bevorzugt. Sepp Holzer hat keine Hilfskräfte. Er arbeitet nur zu zweit mit seiner Ehefrau  zusammen.

"Es gibt keinen schlechten Boden", verkündet Sepp Holzer. "Es gibt für mich auch kein Unkraut und kein Ungeziefer, sondern es gibt nur unfähige Leute, die sich ihr eigenes Paradies zerstören. Dürre Obstbäume im Juni! Da wird alles hin! haben die Fachleute zu mir gesagt!" Nichts ist hin geworden, alles ist angewachsen. 14.000 Bäume, wie gesagt, sind es heute.

"Ich lege die Bäume auf die Erde, decke die Ballen zu und warte, bis die Blätter vertrocknet sind. Der Baum ist ein Lebewesen, er hat nur ein bestreben: Er will überleben. Ich setze ihn ein, ich gieße ihn nicht, ich dünge ihn nicht. Er findet sich selbst zurecht. Wenn ich ihn beim Pflanzen gieße, wasche ich die Nährstoffe aus. Der Boden öffnet sich, weil er denkt, es kommt Regen. Aber rundum ist es trocken, auch die Luft, und so geht der Stickstoff verloren. Ohne mein Eingreifen bleibt der Baum selbstständig."

In Kolumbien errichtete Sepp Holzer im Auftrag des Katholischen Ordens der Clarentiner eine Permakulturanlage. Holzer: "Trotz gegenteiliger Expertenmeinung, dass eine Aussaat während der Trockenzeit wirkungslos wäre, weil eine Keimung ohne Bewässerung nicht erfolgen könnte, stellte sich der Erfolg schon sieben Tage nach der Aussaat ein. Dieses wunderbare Ergebnis war durch die Kapillarwirkung der Hügelbeete trotz Trockenzeit und ohne Bewässerung in kürzester Zeit möglich."

Auf den Gebrauch von Pestiziden, Herbiziden und Kunstdünger wird gänzlich verzichtet. Genauso wie es unsere Vorfahren jahrhundertelang getan haben, baut Sepp Holzer die Pflanzen an, so dass sie sich gegenseitig Stickstoff, Gründüngung oder Feuchtigkeit liefern. Seine freilaufenden Schweine "eggen" und düngen den Boden.

Dabei kennt die Getreidewirtschaft des Josef Holzer nur von Zuchtmaßnahmen verschontes Urkorn. Das Saatgut wird nach uralter Bauernmethode Jahr für Jahr selbst gezogen. "Urkorn ist robust, es wächst auch in exponierten Lagen und auf kargen Böden. Es ist nicht verhätschelt und hochgezüchtet. Heute produzieren wir in der Landwirtschaft ja lauter süchtige Pflanzen. Aber diese Süchtigen fordern von uns einen so hohen Energie- und Materialaufwand, dass man auf Dauer nicht ökonomisch wirtschaften kann."

"Die Pflanzen sind davon abhängig, dass man sie düngt und spritzt. Der Bauer ist von den Lieferanten für Dünger und Spritzmittel abhängig. Und von den Saatgutherstellern. Und es wird immer enger. Nach EU-Vorschriften dürfen die Bauern ihr Saatgut ja nicht mehr vermarkten."

Auch bei Weizen und Roggen geht es bunt zu. Erbsen und Lupinen zwischen den Halmen. Und Steine. Wie funktioniert das? Andere klauben doch die Steine mühsam vom Acker? Holzer: "Die Steine speichern Wärme und geben sie ab. Unter den Steinen wird Feuchtigkeit gebunden. Drehen Sie einen Stein um und sie werden sehen, wie viel Leben darunter ist." Dieses spezielle Mikroklima funktioniert selbst im eisigen Lungauer Winter als natürliche Bodenheizung. "Wenn im Frühjahr rundum noch alles weiß ist, liegt bei mir schon kein Schnee mehr."

"Es heißt immer: Im Lungau wächst kein Weizen. Heute Vormittag, am 6. November, habe ich oben auf 1400 Meter Seehöhe Weizen geerntet. Prächtigen Dinkel. Eine üppige Ernte!" Wer selbst im Angesicht von reich tragenden Weizen auf steinigem Boden noch immer nicht glauben möchte, was er da sieht, bekommt den Holzer'schen Erfolg der Permakultur vom Finanzamt bestätigt. Holzer: "Zum 1. 1. 1999 hat man meinen landwirtschaftlichen Einheitswert von 24.000 Schilling auf  247.000 Schilling erhöht."

"In der Natur wächst alles in einer Pflanzengemeinschaft. Die Nährstoffe, die die eine Pflanze abgibt, dienen der anderen als Nahrung." Holzer setzte zwischen die Hügelbeete Obstbäume und auf die Hügelbeete Gemüse in bunter Gesellschaft von Kraut bis Rüben. Brennnesseln haben in diesem Kreislauf genauso ihre Funktion wie Kamille, Enzian und Steine. "Man muss in der Natur nur beobachten und lenken, man muss nicht eingreifen."

Zuerst musste Holzer den verarmten und ausgelaugten Boden aufbereiten: "Auf Renaturierungsflächen ist durch die einseitige Nutzung mit Fichten das Bodenleben stark verarmt. Fichtenmonokultur ist eine der schlimmsten Sünden in der Forstwirtschaft. Ich schneide die Bäume nicht zu tief ab. die verbleibenden Wurzelstöcke festigen den boden und verhindern die Erosion des Hanges. das Umgraben der Erde überlasse ich meinen Mangalitza-Schweinen. Danach wird eine Vorkultur als Bodenaufbereiter angesät. Sobald sie die bodensichernde Funktion übernommen hat, werden die Fichtenstümpfe mit Hallimasch-Pilzkulturen geimpft. Das Holz fault und wird zum natürlichen Feuchtigkeitsspender. Die wichtigsten Vorkulturpflanzen sind Leguminosen wie Lupinen und Steinklee. Sie haben sehr tiefe Wurzeln und ihre Knöllchenbakterien fixieren den Luftstickstoff. Zusätzlich kommen verschieden Minzen, Kletten und Disteln, etwa Eselsdistel und Kratzdistel, und in der zweiten Generation auch Brennnessel. Da sind wir schon bei den Pflanzen, die auch als Heilkräuter oder Teepflanzen genutzt werden können."

Zwischen der ebenen Fläche der Terrassen und den Streuobsthängen befinden sich Humusrückhaltebecken. Das sind kleine Feuchtbiotope, meist ohne geregelten Zufluss, die bei starken Niederschlägen oder Schneeschmelze neben dem Hangwasser auch abgetragenen Humus und Sämereien der Obstwiesen aufnehmen. Holzer: "Auf meinen Obstflächen wachsen die von den Bäumen benötigten Förderpflanzen. Ihre Samen finden sich im Rückhaltebecken. Pflanze ich nun Bäume auf schlechten Böden, kommt immer etwas von diesem Humus dazu.

Jahrelang wurde er nur verspottet und verlacht. Heute lacht keiner mehr. Der Kameterhof ist Ziel von Landwirtschaftsexperten und Universitätsprofessoren geworden und wurde als Modell-Projekt in die Expo 2000 aufgenommen. Und während viele umliegende Bauern aufgeben mussten, geht's dem Sepp Holzer so gut wie noch nie. Mittlerweile registrieren auch die schärfsten Kritiker seinen durchschnittlichen Hektarertrag von 4000 Kilo Getreide (ohne düngen, spritzen oder gießen), die Kiwiernte auf der Alm, die Welse bis 27 Kilo im Teich. Und das alles im Lungau, dem Sibirien Österreichs.




Quellenvorlagen:
http://www.br-online.de/land-und-leute/himmel/handwerk/2001/0401.html
http://www.sbg.at/oberegger-anita/index1.html


Literaturhinweis:

- Peter Steffen: Der Agrar-Rebell und seine neuen Projekte. 2007.
- Sepp Holzer: Der Agrar-Rebell. 2006.
- Sepp Holzer; Claudia Holzer; und Josef A. Holzer: Sepp Holzers Permakultur. Praktische Anwendung in Garten, Obst- und Landwirtschaft. 2004.


Der Krameterhof im Internet (Seminare und Führungen im Angebot):
http://www.krameterhof.at/start.php

Kritik an Sepp Holzer:
http://jena-hof.at/neu/content.php?op=news&kz=1&m1=1
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Weiterer Hinweis: Eine andere Möglichkeit der Fruchtbarmachung von Böden ist die Homa-Methode

"Als der jetzige Homa-Hof im Jahre 1989 von der neu gegründeten Gemeinschaft für Homa-Landwirtschaft e.V. übernommen wurde, waren die Böden nahezu ausgelaugt und – für uns ein guter Umstand - in den letzten Jahren nicht mehr intensiv mit Kunstdünger oder Pestiziden bewirtschaftet worden, was Außenstehende zu dem Kommentar veranlasste “Hier wächst sowieso nichts…“ Seit Hofübernahme wirtschaften wir gemäß den Richtlinien des biologischen Landbaus ohne Pestizideinsatz und Verwendung von Mineraldüngern. Durch spezielle Feuer erzeugen wir eine hoch energetische Asche, die als biologischer Dünger alles übertrifft, was man bisher in der Landwirtschaft verwendet hat." (Zitat aus der Internetseite. Weiter geht es hier):
http://www.homa-hof-heiligenberg.de/homa-landwirtschaft.html


Beschleunigung von Pflanzenwachsum durch elektrostatische Felder:
http://www.s-line.de/homepages/keppler/elektrofeld.htm

Das Wunderdüngemittel der Effektiven Mikroorganismen: http://www.bunkahle.com/Aktuelles/Gesundheit/Effektive_Mikroorganismen_EM.html

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